Verlust 2008: Hotelbahn Terrasse

Die Drahtseilbahn zum Hotel Terrasse - 2008 stillgelegt und abgebrochen



Im damals aufstrebenden Kurort Engelberg wurde 1905 eine Drahtseilbahn in Betrieb genommen, die der Erschliessung des gleichzeitig eröffneten Hotel Terrasse diente. Ihr Trassee führte vom Kurpark im Talboden zum Hotel in Hanglage über dem Dorf. Am 30. August 1905 fand die feierliche Eröffnung statt. Mit einer Betriebslänge von 133 m war sie die drittkürzeste Anlage in der Schweiz, unwesentlich länger nur als die beiden städtischen Bahnen in Freiburg (Neuveville – St-Pierre) und Bern (Marzili – Bundesterrasse). Mit einer Höhendifferenz von 47 m stand sie von allen damals bestehenden Standseilbahnen ebenfalls an drittletzter Stelle.

Die Engelberger Hotelbahn gehörte zur langen Reihe ähnlicher Anlagen in der Schweiz, die 1879 mit der Bahn zum Hotel Giessbach am Brienzersee ihren Anfang nahm. Weitere Bahnen gleicher Art erschlossen die Hotels in Glion (1883), auf dem Gütsch bei Luzern (1884), am Bürgenstock (1888), das Hotel Dolder in Zürich (1895), das Sanatorium auf der Schatzalp bei Davos (1899), die Hotels in Mont Fleuri und Les Avants bei Montreux (1910) und schliesslich das Hotel in Fürigen (1927).

In Engelberg markierte die von Anfang an elektrisch betriebene Bahnanlage eine bedeutende Etappe in der touristischen Entwicklung des Dorfes. Bereits seit 1898 war die Zufahrt ins Klosterdorf mit der elektrischen Zahnradbahn ab Stansstad möglich geworden. Bis 1964 musste dort allerdings noch aufs Dampfschiff umgestiegen werden. Eine leistungsfähige Strasse erreichte das Klosterdorf erst 1931.

Bahn und Hotel Terrasse gehören heute zum Betrieb der Titlisbahnen, die im Hotel vorwiegend Touristen aus Übersee mit Pauschalreisen unterbringt. In diesem durchrationalisierten Betrieb hat nun offenbar eine nostalgische Bahn keine Existenzberechtigung mehr. Trotz zahlreichen Initiativen und Versuchen, diese im Zusammenhang mit dem Hotelbetrieb historisch bedeutende Bahn weiter zu betreiben, sahen die Eigentümer den Sinn einer solchen Erhaltung nicht ein. Dies erscheint umso bedauerlicher, als gerade in den letzten Jahren zahlreiche Hotels, Bahnen und Tourismusunternehmen den ideellen Wert von historischen Bauten und Anlagen erkannt haben. Schweiz Tourismus vermarktet seit 2007 mit dem Programm „Zeitreisen“ soche historischen Betriebe und Anlagen weltweit mit zunehmend grösserem Erfolg. Zu den Vorzeigebeispielen bei den erhaltenen und teils vorbildlich renovierten Standseilbahnen gehören die Verbindung zum Hotel Giessbach und zum Reichenbachfall sowie die Bürgenstock-Bahn und die unterste Sektion der Stanserhornbahn. Aber auch die Anlagen zur Heimwehfluh in Interlaken, zum Hotel Gütsch in Luzern sowie von Les Avants nach Sonloup haben ihren ursprünglichen Zustand noch weitgehend erhalten.

Mit den beiden noch erhaltenen hölzernen Wagenkasten, die nach einer vorübergehenden Stilllegung von 1993 bis 1998 wieder in Betrieb genommen wurden, und den noch weitgehend original erhaltenen Stationsanlagen wirkt die Bahnanlage historisch noch sehr echt. Bei dem in letzter Zeit automatisierten Betrieb konnten pro Fahrt allerdings nur noch 12 Fahrgäste transportiert werden. Das Bundesamt für Verkehr verlangte nun umfangreiche Verbesserungen an den Anlagen, welche die Eigentümerschaft nicht mehr ausführen wollte, aus Mangel an Verständnis für ihr historisches Kulturgut. Sie zieht es vor, die historische Anlage durch eine neue Erschliessung mit Tunnels und vertikalen Liften zu ersetzen. Die ereignisreiche Fahrt zum Hotel in die Höhe wird nun ersetzt durch einen Gang durch einen Tunnel zu einem vertikalen Schnelllift, der direkt ins Haus führt: eine im Jahr 2008 offenbar besser zum Kundenkreis des Hotels passende Einrichtung.

Weitere Informationen:

WANNER RUEDI, Die Hotel-Standseilbahn Terrace in Engelberg verschwindet. In. Eisenbahn- Amateur 4 /2008, Seite 195.
FLÜCKIGER-SEILER ROLAND. Bauten und Anlagen für die Touristen in der Belle Epoque. In: Historische Hotels erhalten und betreiben, Akten der Fachtagung Luzern 14. - 16. September 1995. Luzern 1996. S. 39-48.